„Wenn Frauen zu sehr lieben“ und andere Buchtipps


Ich werde immer wieder nach Selbsthilfebüchern und Buchtipps gefragt, wenn es ums Thema Beziehungen geht. Und es sind auch immer wieder die gleichen Problematiken, die für Beziehungsschwierigkeiten sorgen – insofern denke ich, dass eine Rubrik mit Buchtipps tatsächlich sehr hilfreich sein kann. Denn der Dschungel an Beziehungsratgebern ist schier unüberschaubar, so dass es sehr mühsam werden kann, in der ganzen Masse wirklich fundierte und hilfreiche Ratgeber zu finden. Darum möchte ich Ihnen hier eine erste Orientierung geben mit Büchern, die mir durch ihre tiefenpsychologisch fundierte Ausrichtung und klare, verständliche Sprache sehr positiv aufgefallen sind. 

„Wenn Frauen zu sehr lieben – die heimliche Sucht, gebraucht zu werden“ von Robin Norwood ist bereits seit Jahren ein Bestseller, und das verwundert nicht, wenn man bedenkt, wie häufig diese Konstellation im Rahmen der Nähe-Distanz-Problematik ist – denn sehr oft sind es tatsächlich Frauen, die einen emotional eher distanzierten Mann zu ihrem Lebensmittelpunkt machen und sich selbst in der Beziehung „verlieren“, bis hin zur Selbstaufgabe und schließlich sogar dem Vollbild einer Depression. Im ersten Teil des Buches sind sehr einfühlsam Fallbeispiele beschrieben, in denen sich die betroffenen Frauen wiedererkennen können, und es werden aus psychologischer Sicht die Wurzeln dieses immer wiederkehrenden Beziehungsmusters aufgedeckt; und im zweiten Teil wird dann der mögliche und leider auch mühsame Weg heraus aus dieser Beziehungsfalle beschrieben.

Eine sehr ähnliche und zum Teil auch überlappende Konstellation beschreibt Bärbel Wardetzki in ihrem Buch „Weiblicher Narzißmus – der Hunger nach Anerkennung“. Der Begriff Narzißmus ist ja in letzter Zeit ziemlich in Mode gekommen, beschreibt allerdings meist eine ganz andere, nämlich die klassische „männliche“ Form. Die Partnerinnen dieser Männer, die sich in ihrer Persönlichkeitsstruktur erstaunlich ähneln,  werden in der Fachliteratur meist als „Komplementär-Narzißten“ beschrieben (z.B. im Rahmen der narzißtischen Paarkollusion von Jürg Willi). Daraus eine „weibliche Form“ des Narzißmus zu machen mit dem Gedanken, dass bei beiden Formen im Prinzip die gleichen Ursachen zugrunde liegen (u.a. mangelnder Selbstwert), hat sich in der psychotherapeutischen Fachliteratur noch nicht durchgesetzt, ist jedoch ein sehr interessanter Gedanke, der die Frauen aus ihrer passiven „Opferrolle“ herausholt („warum gerate ich immer wieder an den falschen Mann?“) und Ihnen dadurch ihre Handlungsfreiheit wiedergibt („was kann ich ändern, damit ich mir nicht immer wieder einen Mann aussuche, der mir nicht gut tut?“). Sehr gut und verständlich geschrieben und doch auch für Fachleute lesenswert.

Die solchen und ähnlichen Beziehungsmustern zugrundeliegende Nähe-Distanz-Problemtik wird sehr gut (und diesmal geschlechtsneutral) in dem Buch „Ich lieb dich nicht, wenn Du mich liebst“ von Dean C. Delis u d Cassandra Phillips beschrieben. Hier wird auch verdeutlicht, dass die komplementären Rollen desjenigen, der in einer Beziehung mehr liebt und somit mehr und mehr klammert und desjenigen, der weniger liebt und somit mehr und mehr ausweicht, austauschbar sein können. 

„Wege aus der Abhängigkeit – belastende Beziehungen überwinden“ von Heinz-Peter Röhr behandelt das große Thema emotional abhängige Beziehungen – also auch wieder eine große Überschneidung zu den oben dargestellten Themen. Hier wird jedoch insbesondere auf die abhängige Persönlichkeitsstruktur der Betroffenen eingegangen und ihre Wurzeln sowie die Heilungsmöglichkeiten beleuchtet. Auch dieses Buch gründet auf einem tiefenpsychologisch-analytischen Ansatz und ist trotz fundiertem Fachwissen sehr allgemeinverständlich und einfühlsam geschrieben.

„Wer bin ich ohne Dich? Warum Frauen depressiv werden – und wie sie zu sich selbst finden“ von Ursula Nuber ist ebenfalls wieder ein Buch über Frauen, die sich in ihren Beziehungen verlieren und sich selbst und ihre Bedürfnisse aufgeben, was nicht wenige von ihnen am Ende sogar in eine Depression führen kann. 

Nach den vielen Beziehungsratgebern mit dem Schwerpunkt Frauen nun mal ein Buch über Männer und wie diese ticken: „Männerseelen – ein psychologischer Reiseführer“ von Björn Süfke. Kein Beziehungsratgeber im eigentlichen Sinne, aber wie der Titel ja bereits verspricht, ein sehr gut geschriebener Reiseführer in die eben oft verborgene emotionale Welt der Männer.