S1-Leitlinie Prähospitales Atemwegsmanagement


Die aktuelle komplette AWMF-Leitlinie finden Sie Hier
Bitte rufen Sie sich das Dokument dort ab. Ich greife hier nur einige wenige mir persönlich besonders wichtig und interessant scheinende Aspekte heraus, die Aufzählung ist jedoch keinesfallsvollständig, die Auswahl rein subjektiv und ersetzt somit nicht die komplette Lektüre der Leitlinie. Bei der Erstellung der Zusammenfassung lag mir die Version vom Stand2/19 zugrunde (gültigbis2/24).


* Empfehlung: „Die Dringlichkeit einer Sicherung der Atemwege in der Notfallmedizin soll in Abhängigkeit von der individuellen Diagnose inzweiKategorienunterteiltwerden:sofortigeunddringlicheIntervention.“
„Sofort“ bei anhaltendem Atemstillstand, ohne Wenn und aber. Bei „dringlich“ sind weitere Kriterien für den Einzelfall abzuwägen, z.B.ErfahrungdesAnwenders,WeginsnächsteKrankenhaus,Begleiterkrankungen u.a. Es werden dann auch höhere Anfordrungen an die Vorbereitung gestellt (z.B. Präoxygenierung).

* Hier nochmal eine Selbstverständlichkeit zur Sauerstoffgabe mit anschaulichen Zahlen zusammengefaßt: „Optimal ist die Applikation über einedichtsitzendeGesichtsmaske,dieübereinDemandventilinklusiveFilter mit einer Sauerstoffquelle verbunden ist. Hiermit kann eine inspiratorische Sauerstofffraktion (FiO2) von nahezu 1,0 erreichtwerden.Hingegenerreichenhandelsübliche Sauerstoffmasken bei einemFluss von 15 l O2/min abhängig von der Atemfrequenz und dem Atemzugvolumen selten eine FiO2 >0,6. Durch die VerwendungeineszusätzlichenReservoirbeutelsmit einem Ventil, das die Rückatmung in denReservoirbeutel unterbindet, kann eine FiO2 von >0,8 erreicht werden. Dabei muss beachtet werden, dass derRückatmungsbeutelsichatemsynchron leert, daandernfalls Nebenluft die O2- Konzentrationsenkt. Theoretisch kann über eine Nasenbrille bei einem O2-Flow von 15 l/min auch eine FiO2 >0,8 erreichtwerden. Dieserfordertjedoch einennormofrequent und streng durch die Nase atmendenPatienten, der in Notfallsituationen eine Ausnahme darstellt.“

* Empfehlung: „Vor invasiver Atemwegssicherung soll beim noch spontanatmenden Patienten eine suffiziente Präoxygenierung durchgeführtwerden.DieexspiratorischeSauerstoffkonzentrationsolltehierbeigemessen werden.“ Es wird erläutert, dass 4 Minuten O2-Gabe über eine dichtsitzende Gesichtsmaske ausreichend erscheint.

* Empfehlung: „Bei der Beutel-Masken-Beatmung soll eine Normoventilation angestrebt werden. Es sollte ein Demand-Ventil verwendet werden“. Es wird ausgeführt,dasspräklinischoftdieNeigungbesteht, ein zu hohes Volumen unter zu hohem Druck in einer zu hohen Frequenz zu verabreichen - sich dies also immer wieder bewußt machen und gegensteuern.

* Empfehlung: „Zur Optimierung der Einstellbarkeit der Stimmbandebene und des Intubationserfolges im ersten Versuch soll primär ein Videolaryngoskop mitMacintosh-ähnlichemSpatelzurendotrachealenIntubation eingesetzt werden.“ Im Text wird ausgeführt, dass die Intubation mit Videolaryngoskop ansonsten zu selten geübt werden würde, wenn man es nur inden seltenenFällendesschwierigen Atemwegsbenutzen würde. In diesen ohnehin stressigen Situationen könnte dann ein Übungsdefizit mit dem Videolaryngoskop zum Tragen kommen.

* Empfehlung: „Die endotracheale Intubation soll nur dann angewendet werden, wenn am Patienten mindestens 100 Intubationen zum Erlernen der Technik unter Aufsichtdurchgeführtunddokumentiertsowie nachfolgend mindestens 10 ETI pro Jahr durchgeführt wurden.“ Ansonsten?? „ Extraglottische Atemwege sollen immer dann primär verwendet werden, wennkeinegenügendeErfolgsaussicht für dieETI besteht und/ oder diesbezüglich kein ausreichendes Training vorhanden ist.“

* Empfehlung: „Die Anwendung von mindestens 45 Einlagen extraglottischer Atemwege soll an Patienten unter kontrollierten Bedingungen und Anleitung zum Erlernen der Technik erfolgen.DieAnwendungsoll mindestens dreimal jährlich wiederholt werden. Ein Training am Übungsphantom allein ist nicht ausreichend.“

* Empfehlung: „Bei Verwendung von extraglottischen Atemwegshilfen soll der Cuffdruck 60 cmH2O nicht übersteigen.“

Empfehlung: „Für die zeitgerechte und erfolgreiche Durchführung der Notfallkoniotomie am Patienten soll der Anwender mit derfürdenRettungsdienstbereich ausgewählten Technik unter bestmöglichen Bedingungen ausgebildet werden.
Die Anwendung der ausgewählten Technik soll regelmäßig in vitro trainiert und diese Technik soll auf den Rettungsmitteln vorgehalten werden.“

* Empfehlung: „Nach invasiver Atemwegssicherung soll bei allen Patienten obligat neben der Auskultation auch die Kapnografie unmittelbar angewendet werden.
Da die exspiratorische Kohlendioxidmessung im Rahmen der Reanimation falsch negativ sein kann, sollte die Lage der Atemwegshilfe bei fehlendem Kohlendioxidsignal mit einem zweiten zuverlässigen Verfahren verifiziert werden.“

* „Auch bei Patienten mit Schädelhirntrauma wird eine Normoventilation empfohlen. Einzige Ausnahme stellt das schwere Schädelhirntrauma mit Zeichen der Einklemmung des Hirnstammes dar. Hier kann eine moderate Hyperventilation sinnvoll sein. Eine prolongierte prophylaktische Hyperventilation mit niedrigen paCO2-Werten wird hingegen nicht empfohlen“

* „Die Applikation eines positiven endexspiratorischen Drucks (PEEP) von 4-8 mbar sollte bei allen endotracheal intubierten Patienten erfolgen [133]. Eine Ausnahme bildet hier die Durchführung einer Defibrillation, bei der die Applikation eines PEEP die transthorakale Impedanz erhöht. Für andere Krankheitsbilder (z.B. akutes Lungenödem, Ertrinkungsunfall) werden zur verbesserten Oxygenierung höhere PEEP-Werte empfohlen. Ebenfalls kann ein erhöhter PEEP nach korrekter Platzierung eines EGA mit gastraler Drainagemöglichkeit appliziert werden. Bei Verwendung eines EGA ohne Drainagemöglichkeit sollte auf einen PEEP-Wert über 5 mbar hingegen verzichtet werden.“

* „Da die manuelle Beatmung oftmals zu unnötig hohen Tidalvolumina und zu hohen Beatmungsfrequenzen führt, sollte eine lungenprotektive maschinelle Beatmung mit einem Tidalvolumen von 6-8 ml/kgKG angestrebt werden [41]. Insbesondere bei druckkontrollierten Beatmungsformen muss auch auf ein ausreichendes exspiratorisches Minutenvolumen geachtet werden. Zur Vermeidung von Barotraumata sollte ein Plateaudruck über 30 mbar vermieden werden. Daher sollten Beatmungsgeräte verwendet werden, bei denen mindestens eine Drucklimitierung eingestellt und das Tidalvolumen (alternativ auch das Atemminutenvolumen) abgelesen werden kann. Die initiale Beatmungsfrequenz soll bei Erwachsenen 10-15/min betragen und nach gemessenem etpCO2 angepasst werden.“

* „Traditionell gilt die ETI auch bei Kindern als Goldstandard der definitiven Atemwegssicherung [90]. Allerdings ist sie gerade bei Kindern eine prähospital relativ selten durchgeführte Maßnahme, so dass die dazu notwendige Expertise regelhaft nicht vorhanden ist [52, 53]. Somit stellt sich nicht nur die Frage ob, sondern vielmehr wann, wo und durch wen die ETI bei einem Kindernotfall am sinnvollsten durchgeführt werden soll.“

Empfehlung: „Als primäre Technik zur Beatmung von Kindern soll eine Beutel-Maskenbeatmung durchgeführt werden.“






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