Mein Stufen-Konzept bei Phobien: drei Basis-Sitzungen


Als ich damit begann, Patienten mit umschriebenen Ängsten hypnotherapeutisch zu behandeln, fiel mir schnell folgendes auf: bereits nach drei Sitzungen (und regelmäßiger Selbsthypnose zu Hause mit den auf dem Patientenhandy selbst mitgeschnittenen Hypnosesitzungen) hatte sich bei vielen Patienten die Phobie so gebessert, dass wir auf weitere Sitzungen verzichten konnten. Die Ängste – Höhenangst, Sozialphobie, Prüfungsangst, Vortragsangst, Spritzenphobie, Verlustangst, um nur die häufigsten zu nennen – waren zwar noch nicht weg, aber behinderten den Alltag und die Lebensqualität bei weitem nicht mehr so stark wie vorher.

Ich fing an, ein Konzept zu entwickeln, das genau darauf abzielte: In möglichst standardisierter und damit nachvollziehbarer, wiederholbarer Form sollte ein Erfolg in einer überschaubaren Anzahl von Sitzungen ermöglicht werden. Meine Patienten sollten schon vorab genau wissen, was auf sie zukommt und wie die Sitzungen – bei aller immer noch notwendigen Individualisierung – ablaufen würden. Dies sollte auch Ängste und Vorbehalte die Hypnose betreffend abbauen, denn bereits im Vorfeld wüßten sie ganz genau, was auf sie zukommt und dass nichts unvorhergesehenes, schlimmes mit ihnen in Hypnose geschehen würde.
So entstand meine Stufen-Hypnotherapie bei Phobien.

1. Stufe/ Sitzung 1: Indikationsstellung und Hypnosetest

Als ärztliche Hypnotherapeutin ist es für mich natürlich sehr wichtig, Sie und Ihre ganz spezielle Problematik in einem ausführlichen Erstgespräch kennenzulernen. Nur so kann ich zum einen sichergehen, dass keine tieferliegende ernstere psychische Erkrankung hinter Ihrer Phobie steckt, die eine Hypnosetherapie unter Umständen ausschließen würde. Zum anderen geht es aber insbesondere auch darum, mögliche unbewußte Zusammenhänge herauszufinden, um diese dann gezielt in der Hypnose bearbeiten und idealerweise auflösen zu können.
 
Wenn sich in dem Gespräch ergibt, dass eine Hypnotherapie für Ihre Problematik geeignet ist und keine Kontraindikation vorliegt, werden wir in einer entspannten Situation Ihre Fähigkeit testen, in Trance gehen zu können („Hypnotisierbarkeit“). Keine Sorge, für unsere Zwecke benötigen wir lediglich eine leichte bis mittlere Trance, mit der meiner Erfahrung nach 9 von 10 Patienten keinerlei Schwierigkeiten haben. Etwa die Hälfte meiner Phobie-Patienten ist üblicherweise sogar zu einer tiefen Trance fähig - dennoch werden Sie auch in einer tiefen Trance jederzeit die Kontrolle über das Geschehen behalten und wären auch zu jedem Zeitpunkt in der Lage, die Sitzung zu unterbrechen (z.B. um auf die Toilette zu gehen). 
Es ist sogar so, dass nach einer Unterbrechung die darauf folgende Trance oft noch tiefer wird, denn die Fähigkeit, in Trance gehen zu können, ist erlernbar und kann somit durch Wiederholung und Übung gesteigert und gefestigt werden. 

Darum baut meine Drei-Stufen-Hypnotherapie auch darauf auf, dass Sie regelmäßig Übungen in Selbsthypnose zu Hause durchführen, was das Erlernte festigt und Hypnosesitzungen in meiner Praxis für Sie „einspart“, denn am Ende haben Sie durch das regelmäßige Üben zu Hause weitaus mehr als drei Sitzungen gehabt.
Zu diesem Zwecke bringen Sie zur Sitzung bitte ein Diktiergerät mit, oder Sie installieren eine entsprechende App auf Ihr Smartphone (bitte achten Sie drauf, dass von der App Sprechpausen in der Aufzeichnung nicht herausgeschnitten werden, denn eine Hypnose arbeitet mit vielen Sprechpausen, die für die Tranceführung sehr wichtig sind). Im Gegensatz zu vielen Hypnotherapeuten habe ich kein Problem damit, wenn Sie unsere Hypnose aufzeichnen, sondern empfehle Ihnen dies sogar ausdrücklich und werde die Hypnose so gestalten, dass Sie sie zu Hause durch das Abhören Ihrer Aufzeichnung regelmäßig wiederholen und einüben können. 
Weil Trance eine erlernbare Fähigkeit ist, die mit jeder Wiederholung tiefer und somit wirkungsvoller wird, und weil auch hypnotische Suggestionen mit jeder Wiederholung stärker werden, und weil die Hypnose zudem durch unser Vorgespräch ja ganz auf Sie persönlich zugeschnitten ist, bekommen Sie somit bereits bei der Erstsitzung buchstäblich ein leistungsfähiges Werkzeug mit nach Hause, das Sie eigenständig einüben und Ihre Trancefähigkeit bis zur zweiten Sitzung dadurch deutlich vertiefen können.

2. Stufe/ Sitzung 2: Etablieren des „Inneren Helfers“

Wenn Sie zur zweiten Sitzung kommen, sind seit der Erstsitzung mindestens zwei Wochen vergangen, in denen Sie zu Hause regelmäßig anhand Ihrer Aufzeichnungen geübt haben, in Trance zu gehen. Somit sind Sie nun gut gerüstet für die zwei Hypnosen, die wir in dieser zweiten Sitzung durchführen werden.
Im ersten Teil der Hypnose, den Sie wieder aufzeichnen sollten, um die Hypnose zu Hause zu üben und vertiefen zu können, werden Sie in Tiefenentspannung geführt und wir etablieren Ihren ganz persönlichen „sicheren Ort“, den Ihr Unbewußtes unter Hypnose für Sie erschaffen wird. Lassen Sie sich überraschen, was auftauchen wird - es kann zum Beispiel ein Ort aus Ihrer Kindheit sein, in dem Sie sich immer sicher und geborgen gefühlt haben, es kann ein Ort sein, den Sie aus einem Urlaub kennen, oder es handelt sich um einen Ort, den Sie noch. Je gesehen haben. An diesen „sicheren Ort“, zu dem nur Sie selbst Zutritt haben und diejenigen, die Sie hineinlassen wollen, können Sie sich dann künftig gedanklich jederzeit zurückziehen, wenn Sie es wünschen, um dort abzuschalten, zu entspannen und neue Kraft und Zuversicht zu tanken. Dann führe ich Sie wieder zurück ins Hier und ins Jetzt, und Ihre Aufzeichnung für diese zweite Sitzung ist komplett.

Denn wenn wir jetzt den zweiten Teil der Hypnose beginnen, macht eine Aufzeichnung zum anschließenden Üben keinen Sinn, weil Sie in dieser Hypnose mit mir sprechen werden: Wir finden und etablieren nun Ihren „Inneren Helfer“.
Diese Methode ist uralt, wie die Methode der Trance zur Heilung und Persönlichkeitsentwicklung generell. Und auch der „innere Helfer“ ist seit jeher von Naturvölkern, die Trance anwenden, etabliert und für den einzelnen Menschen personalisiert worden. Ob es ein Schutzgeist war, der „angerufen“ wurde um dem Menschen in Notsituationen hilfreich zur Seite zu stehen, ob es wie bei den Indianern ein Totem-Tier war, das anschließend in schwierigen Situationen erschien und bereits durch seine Anwesenheit Trost und Beruhigung spendete oder auch Rat gab - die Technik des „Inneren Helfers“ ist sehr alt und seit Menschengedenken bewährt. Dabei ist sie nach wie vor sehr wirkungsvoll, auch wenn sich sich der persönliche „innere Helfer“, der unter Hypnose vom Unbewußten präsentiert wird, bei den meisten Menschen heute oft eine mehr zeitgemäße Form annimmt. Manche Patienten sind selbst überrascht, wen oder was ihr Unbewußtes Ihnen da präsentiert - es können sogar Comicfiguren, Superhelden oder Filmfiguren sein, die sich als „innerer Helder“ vorstellen. Oft sind es aber nach wie vor „archetypische Figuren“, wie eine weise alte Frau, ein Zauberer oder ein gütiger Mönch. Manchmal tauchen auch Menschen auf, die in der Vergangenheit einen großen, positiven Einfluß hatten, wie die Großmutter, eine alte Lehrerin oder ein früherer Trainer. Wer oder was auch immer Ihr Unbewußtes auftauchen läßt - wir festigen unter Hypnose diese starke Schutzfigur, die Ihnen künftig in angstbesetzten Situationen hilfreich zur Seite stehen wird. Und da diese Figur direkt aus Ihrem Unbewußten kommt, ebenso wie Ihre Phobie, ist die Verknüpfung von beidem unter Hypnose oft verblüffend wirkungsvoll. 
Wir etablieren in dieser Sitzung, dass Ihr „innerer Helfer“, mit dem Sie in Hypnose auch ausgiebig kommunizieren werden, in Zukunft beim Auftauchen Ihrer Phobien automatisch erscheint und Ihnen den Rücken stärkt. 
Diese Verknüpfung lassen wir nun erneut mindestens zwei Wochen sacken, während Sie zu Hause in Selbsthypnose das Aufsuchen Ihres „sicheren Ortes“ üben. Hypnose funktioniert wie gesagt über Wiederholungen - und muß ins Unbewußte sacken. Fahrradfahrern haben Sie schließlich auch nicht an einem einzigen Tag perfektioniert. 

3. Stufe/ Sitzung 3: Exposition und Desensibilisierung unter Hypnose

Nun kommt die dritte und letzte Sitzung der Basisstufe - und die Basisstufe reicht wie gesagt üblicherweise bereits aus, um zumindest eine deutliche Besserung der Phobie zu erzielen.
In dieser dritten Sitzung nutzen wir nun Ihren „Inneren Helfer“, um mit ihm zusammen unter Hypnose genau die Situation zu durchleben, die Ihnen Angst macht. Und dank dem Beistands Ihres „Inneren Helfers“ klappt dies bereits oft unerwartet gut. Und wird mit jedem Mal besser, denn auch diese Hypnose sollten Sie wieder aufzeichnen und zu Hause regelmäßig üben. Die angstbesetzte Situation wird mit jedem Mal ein Stückchen mehr an Schrecken verlieren, und vielen Patienten genügt dies bereits. In dem Fall ist die Bahandlung dann erfolgreich abgeschlossen.

Aufbaustufen: Sitzungen im Stile der „Teile-Therapie“

Nur wenn Sie mit dem Erfolg immer noch nicht glücklich sind und Ihre Phobie immer noch so stark ist, dass Ihe Lebensqualität leidet, melden Die sich erneut bei mir und wir gehen nun eine Stufe tiefer ins Eingemachte. Wir beginnen Sitzungen im Stile der „Teile-Therapie“, eine Hypnoserichtung, die in mehrere „Unterströmungen“ aufgeteilt ist, die alle damit arbeiten, dass man sich das Unbewußte eines Menschen aufgeteilt in verschiedene Persönlichkeitsanteile vorstellen kann. Diese verfolgen manchmal ganz unterschiedliche Ziele, oder vielmehr, haben unterschiedliche Vorstellungen davon, wie ein Ziel am besten erreicht werden kann. Es sind Anteile wie „der innere Kritiker“, „der Antreiber“ oder „die Harmoniesüchtige“, die zum Teil gegeneinander arbeiten anstatt zusammen an einem Strang zu ziehen, und die so aus dem Unbewußten heraus dem Bewußtsein oft das Leben sehr erschweren, obwohl das Unbewußte als Ganzes immer nur das Beste für die Gesamtpersönlichkeit will. Mit diesen unbewußten Persönlichkeitsanteilen kann man in Hypnose jedoch „verhandeln“ und sie zur besseren Zusammenarbeit untereinander bewegen. Aber über diese wirklich sehr spannende Methode schreibe ich demnächst einmal einen eigenen Abschnitt.

Meine Stufentherapie ist besonders gut geeignet für folgende Ängste:
• Höhenangst
• Flugangst
• Sozialphobie
• Prüfungsangst
• Tierphobie (z.B. Spinnen, Hunde, Ratten…)
• Vortragsangst
• Spritzenangst