Depressive Reaktion in Zusammenhang mit Corona


Der Auslöser für eine depressive Erkrankung bei entsprechend vulnerablen Patienten kann in Zeiten der Pandemie so vielschichtig sein wie die Persönlichkeit der Betroffenen. 
Beispiele für Situationen, die bei entsprechend vorbelasteten Menschen eine depressive Reaktion bewirken können:
* durchgemachte schwere COVID-19-Erkrankung mit dem Erleben der Lebensbedrohung, was erst noch bearbeitet werden muß
* durchgemachte schwere COVID-19-Erkrankung bei einem nahen Angehörigen und das Erleben der Hilflosigkeit/ des Kontaktverbotes während der Behandlung
* mögliche Folgeschäden, die ein Anknüpfen in das Leben vor der Erkrankung dauerhaft unmöglich machen (z.B. Lungenfibrose, Herzschädigung), eventuell dauerhafte Berufsunfähigkeit
* Verlust der beruflichen Perspektive oder gar der beruflichen Existenz durch die Pandemiemaßnahmen

Statt einer ausgeprägten Depression kann auch „nur“ eine sogenannte „akute Anpassungsstörung“ entstehen, die Ähnlichkeiten mit einer depressiven Episode aufweist, aber in der Regel etwas leichter zu behandeln ist und oft auch schneller überwunden werden kann. Im Gegensatz zur „akuten Belastungsreaktion“, die seltener therapiebedürftig ist, gilt eine Anpassungsstörung als klassische Diagnose für eine (meist Kurzzeit-)Therapie. Eine Belastungsreaktion kann nach einigen Wochen auch in eine behandlungsbedürftige Anpassungsstörung übergehen, die Grenzen sind da fließend.