Abschiednehmen in Hypnose


Abschiednehmen von einem verstorbenen Angehörigen unter Hypnose? Dies ist eine Methode in der Trauertherapie, die viele Hypnotherapeuten anbieten, auch wenn es gerade in diesem Bereich natürlich sehr wichtig ist, auf Seriosität zu achten. Denn auf den ersten Blick klingt es tatsächlich geradezu esoterisch: Sie sollen unter Hypnose mit Ihrem verstorbenen Angehörigen sprechen und dadurch Abschied nehmen können? Was für ein „Hokuspokus“ ist das denn?

Gar keiner. Sondern es handelt sich um eine unter Hypnotherapeuten oft angewendete Technik in der Trauertherapie, für deren Wirkungsweise in Fachkreisen vollkommen plausible psychologische Erklärungskonzepte verantwortlich gemacht werden - auch wenn nicht wenige Patienten von der Begegnung unter Hypnose so überwältigt sind, dass sie überzeugt davon sind, dass da "mehr" dahinter steckt. 

Ich werde Ihnen ganz sicher keine Erklärung aufdrängen, es wird allein Ihre Erfahrung sein und es steht mir ebensowenig zu, diese zu beurteilen, wie ich Ihr Weltbild, Ihre Werte und Ihren Glauben antasten würde. Ich biete lediglich zur Verdeutlichung, dass es sich hier um eine seriöse und therapeutisch oft eingesetzte Methode handelt, und insbesondere meinen ärztlichen Kollegen ohne psychotherapeutischen Hintergrund oder hypnotherapeutische Erfahrung hier eine mögliche wissenschaftliche Sichtweise an:

So werden nach tiefenpsychologischer Auffassung beispielsweise wichtige Bezugspersonen eines Menschen ("significant others") nach einiger Zeit als „innere Objekte“ verinnerlicht und psychologisch repräsentiert. Dieses innere Bild, das wir uns von diesem Menschen machen, enthält mit der Zeit alle seine Eigenschaften, insbesondere auch alle seine guten Eigenschaften, und das ist auch genau dies, was idealerweise auch nach seinem Verlust alles inneres Bild in uns „weiterlebt“. Eine Erklärungsmöglichkeit über die Wirkungsweise der Trauerarbeit unter Hypnose ist es somit, dass dieses „innere Objekt“ während der Sitzung als die ursprüngliche Person erlebt wird, so dass mit ihr in Kontakt getreten und interagiert werden kann. Da die internalisierte psychologische Repräsentation des Verstorbenen nach seinen tatsächlichen Persönlichkeitszügen gebildet wurde, reagiert und handelt das hypnotisch erlebte Gegenüber genau so, wie es der Verstorbene mutmaßlich getan hätte. Ein Klären noch offener, quälender Fragen und ein Abschiednehmen werden dadurch ermöglicht, selbst noch Jahrzehnte nach dem Trauerfall. Der Hypnotherapeut dient lediglich als „Moderator“, der sich die gerade erlebten inneren Bilder genau schildern lässt (ja, Sie können und werden unter Hypnose sprechen, und Sie haben jederzeit die Kontrolle!), um das Geschehen nach vorheriger Absprache therapeutisch sanft zu begleiten.

Ich persönlich würde aber diese und ähnliche Erklärungstheorien selbstverständlich niemanden überstülpen, zumal sie keinerlei Relevanz für das eigentliche Ergebnis haben. Was zählt, ist das Erleben des Patienten – und die meist sehr emotionale, bleibende Wirkung auf ihn. Diese ist es, die heilen kann - alles andere ist nebensächlich.

Wie läuft solch eine Sitzung ab?

Die Vorgehensweise aller zertifizierten Hypnotherapeuten ist hier ähnlich, auch wenn jeder im Laufe der Zeit seinen eigenen Stil entwickelt – Sie brauchen die Hypnosesitzung darum auch nicht unbedingt bei mir zu machen, sondern können sich auch einen erfahrenen, vertrauenswürdigen Hypnotherapeuten in Ihrer Nähe suchen, bei dem Sie im Gespräch ein gutes Gefühl haben. Ich möchte Sie hier nur allgemein über diese Methode der Trauertherapie informieren, und Ihnen als Beispiel meine persönliche Vorgehensweise schildern.

Ein ausführliches Vorgespräch, in der Regel direkt vor der eigentlichen Hypnosesitzung, ist sehr wichtig. Ich muss sehr genau wissen, wie Ihre Beziehung zu Ihrem Angehörigen gewesen ist, um mögliche (seltene) Kontraindikationen für eine hypnotherapeutische Begegnung abschätzen zu können, insbesondere wenn nur eine einzige Sitzung geplant und gewünscht wird. Eine außergewöhnlich schwierige, konflikthafte oder sehr ambivalente Beziehung wäre in dem Fall z.B. nicht geeignet – dies sollte zuvor im Rahmen einer längeren Therapie bearbeitet worden sein. 

Außerdem werden wir in diesem Gespräch die von Ihnen gewünschte Vorgehensweise, Ihre Wünsche und Vorstellungen ganz genau besprechen. Für dieses Vorgespräch sind 50 Minuten vorgesehen.

Anschließend beginnt die eigentliche Hypnosesitzung. Hierfür werden Sie in tiefe Entspannung geführt, ähnlich wie beim Autogenen Training oder bei einer geführten Meditation. Sie werden nicht „weggetreten“ sein, sondern bleiben stets wach und haben die ganze Zeit über die Kontrolle. Ärztliche Hypnose hat nichts mit reißerischer Bühnenhypnose zu tun, sondern ist am ehesten vergleichbar mit einem intensiven Tagtraum. (Weiterführende Informationen über die Wirkungsweise von Hypnose finden Sie hier oder auch unter www.hypnose.de)

Wenn Sie sehr entspannt sind, werde ich Ihnen die mit Ihnen vorab besprochenen Szenen bildhaft schildern (Beispiel: Treffen mit Ihrem Angehörigen auf einem Berggipfel). Wie in einem lebhaften Tagtraum werden Sie nun in diese Szene hineinversetzt fühlen und die Gelegenheit haben, mit Ihrem Angehörigen in Interaktion zu treten, von mir therapeutisch begleitet. Dies wird meist als sehr emotional erlebt, und es kommt zu einem guten Abschluss und freundlichen Abschied, der es oft erst ermöglicht, die erschütterte „innere Repräsentanz“ des Angehörigen neu zu strukturieren und dauerhaft stabil zu etablieren – ein Prozess, der üblicherweise während der Trauerarbeit stattfindet, und der durch die Hypnosesitzung insbesondere dann gut angestoßen werden kann, wenn er durch offene Fragen oder die fehlende Möglichkeit eines Abschiedes ins Stocken geraten ist.

Schließlich wird die Hypnose langsam wieder aufgehoben, die tiefe Entspannung aufgelöst und das Alltagsbewusstsein wieder im „Hier und Jetzt“ fest verankert. Das Erlebte wird dann in den nächsten Wochen noch nachwirken und sich ganz allmählich entfalten und festigen.

Wieviel Sitzungen sind notwendig?

Das entscheiden allein Sie. Häufig genügt bereits eine einzige Sitzung. Das hypnotische Abschiednehmen stößt dabei einen Prozess an, den viele Menschen anschließend alleine bzw. mit Freunden und Familie weiter verarbeiten möchten, was dann auch ausreichend ist. Wenn Sie dagegen anschließend das Gefühl haben, dass weitere therapeutische Begleitung Ihnen gut tun würde, dann steht dem selbstverständlich nichts im Wege – sei es bei mir oder bei einem meiner Kollegen oder Kolleginnen. Generell wird die Verarbeitung einer Trauer um einen nahen Angehörigen (die "Trauerarbeit") bei den meisten Menschen ein bis eineinhalb Jahre dauern, also ein langer Weg, den die meisten Betroffenen aber auch ohne professionelle Hilfe gehen möchten und gehen können.