Wie funktioniert ärztliche Hypnose gegen Prüfungsangst?


Eines der großen Indikationsgebiete für ärztliche Hypnose sind Ängste. Und das ist nicht überraschend, da eine sehr wirkungsvolle therapeutische Herangehensweise an Ängste und Phobien aller Art die Desensibilisierung ist, also die vorsichtige Konfrontationstherapie mit dem Angst auslösenden Reiz, so lange, bis Gewöhnung eintritt und die Angst überwunden ist.

Bereits Goethe berichtet in seinen Memoiren, dass er seine übergroße Höhenangst, die sein Leben sehr einschränkte, schließlich überwinden konnte, indem er auf den Münsterturm stieg und sich immer länger seiner Höhenangst aussetzte, bis diese schließlich verschwunden war: 

Dergleichen Angst und Qual wiederholte ich so oft, bis der Eindruck mir ganz gleichgültig ward, und ich habe nachher bei Bergreisen und geologischen Studien, bei großen Bauten, wo ich mit den Zimmerleuten um die Wette über die freiliegenden Balken und über die Gesimse des Gebäudes herlief, ja in Rom, wo man eben dergleichen Wagstücke ausüben muß, um bedeutende Kunstwerke näher zu sehen, von jenen Vorübungen großen Vorteil gezogen.“
(Goethe in seiner Autobiographie „Dichtung und Wahrheit“)

Bei der Prüfungsangst ist hierbei natürlich das Problem, dass man die Prüfungssituation ja nicht einfach beliebig üben kann – oder? 

Eben doch! 

Denn die Hypnose, die ja mit einem sehr intensiven und vom Therapeuten behutsam gelenkten Tagtraum vergleichbar ist, kann jene typischen Panikmomente, die bei hierfür empfänglichen Menschen zum gefürchteten „Prüfungs-Blackout“ führen können, vor dem inneren Auge hervorrufen – und durch die Konfrontation dann nach und nach abschwächen.

So werden die Teilnehmer unter Hypnose z.B. mit allen Sinnen in die Situation hineinversetzt, dass sie die Tür öffnen und den Prüfungsraum betreten, und dann unter dem erwartungsvollen Blick der Prüfer zu ihrem Platz gehen müssen… bereits diese Vorstellung ein Alptraum für Menschen mit Prüfungsangst, der für schweißnasse Hände, Herzrasen und eben dieser gefürchteten Leere im Kopf sorgt. Diese und ähnliche Situationen (wie beispielsweise der erwartungsvolle Blick der Prüfer nach einer Frage, auf die man keine Antwort weiß) können unter Hypnose durchlebt, beabeitet und entschärft werden. 

Außerdem wird zuvor eine besonders entspannende und/ oder erfolgreiche Situation etabliert, die als Gegengewicht in die anschließend imaginierte belastende Prüfungsituation „mitgenommen“ wird und diese somit idealerweise neutralisieren kann.  

Ziel ist es, den Teufelskreis der sich immer mehr verstärkenden Angstreaktion („Angst vor der Angst“) zu durchbrechen und mit allen Sinnen zu erleben, wie die Prüfungssituation immer mehr zur „Routine“ wird und die Angst dadurch nachlässt. 

 

Ablauf einer hypnotherapeutischen Gruppentherapie

Natürlich ist – als Faustregel - ärztliche Hypnotherapie umso wirkungsvoller, je individueller sie auf den Patienten zugeschnitten wird. Einzelsitzungen wären besonders in schweren Fällen deshalb sicher vorzuziehen, sind bei „normaler“ Prüfungsangst jedoch meist nicht notwendig.

Eine ärztliche Gruppenhypnose mit idealerweise 3-6 Personen kann somit durchaus eine günstige Alternative sein. Zu große Gruppen dagegen machen es meiner Erfahrung nach schwierig, immer noch möglichst individuell auf die jeweilige Prüfungssituation und das „positive Gegenprogramm“ einzugehen.

Am wirkungsvollsten ist es, wenn sich eine Kleingruppe findet, die ohnehin als Lerngruppe zusammenarbeitet und auch die gleiche Prüfungssituation vor sich hat, denn dann können wir genau diese Prüfungssituation so detailliert wie möglich unter Hypnose vorwegnehmen und somit das Lampenfieber "desensibilisieren". Um meiner ärztlichen Pflicht einer gründlichen Indikationsstellung nachzukommen und mir ein Bild über die Art und das Ausmaß der Prüfungsangst zu machen, findet vor der ersten Gruppensitzung natürlich zunächst ein kurzes Einzelgespräch mit den Teilnehmern statt. 

Es ist ganz individuell, nach wie vielen Sitzungen ein Teilnehmer sich der Prüfungsherausforderung gewappnet fühlt: Bei der Therapieform der Konfrontation und Desensibilisierung wird angestrebt, dass die Angst vor der Prüfung nach jeder Exposition durch Gewöhnung immer weiter abnimmt. 

Manchen genügt somit bereits eine einzige Sitzung, und sie möchten dann zu Hause für sich im Rahmen der Selbsthypnose (für die ich in jedem Kurs Anleitungen gebe) mit den Expositionsübungen alleine weitermachen. 

Andere empfinden die Selbsthypnose allein als zu wenig wirkungsvoll und ziehen es vor, ergänzend noch weitere Male an einer Gruppensitzungen teilzunehmen, bis sie spüren, dass sich die Angst vor der Prüfung ausreichend deutlich reduziert hat. Ich biete die Gruppensitzungen an, solange sich mindestens drei Teilnehmer für eine Sitzung finden.